PRESS | CAUSALES | EN l DE |
The webpage for cultural marketing & cultural sponsoring
Blick ins Publikum vor Konzertbühne
Best Practice

Fachbeitrag Merck - Gruppe

„Vielfalt steht im Zentrum unseres kulturellen Engagements“ Daniela Lewin, Kulturreferentin der Merck-Gruppe im Interview mit Causales

Merck ist das älteste pharmazeutisch-chemische Unternehmen der Welt. Seine Wurzeln reichen zurück in das Jahr 1668. Seit nunmehr fast 50 Jahren engagiert sich die Merck-Gruppe im Raum Darmstadt im kulturellen Bereich. Frau Lewin, worauf legen Sie aktuell den Schwerpunkt Ihres kulturellen Engagements?

Lewin: Auf die Vielfalt, also auf die Breite des Angebots in der Region Darmstadt.

Als weltweit agierendes Unternehmen haben Sie sich dennoch für eine standortbezogene Kulturförderung im Raum Darmstadt entschieden. Können Sie sich in den nächsten Jahren auch eine Ausdehnung Ihres kulturellen Engagements auf den deutschen bzw. den europäischen Raum vorstellen, wie es auch andere große Unternehmen praktizieren?

Das stimmt, Merck gibt es in 66 Ländern und wir verfolgen im Rahmen unserer CSRAktivitäten zwei Ansätze: Einerseits gibt es aktuell drei Leuchtturmprojekte, darunter ein kulturelles, die Philharmonie Merck, die auch in anderen Ländern gastiert. Parallel agieren wir lokal, weil wir davon überzeugt sind, dass wir vor Ort am effektivsten wirken können. Gleiches gilt im Übrigen auch für die Standorte jenseits des Headquarters. Kurz, wir werden an dieser Strategie festhalten.

Worin besteht für die Merck-Gruppe der Nutzen bzw. Mehrwert in der Kooperation mit Darmstädter Kulturanbietern?

Sie fragen nach einer Quantifizierung. Wir lassen von einem unabhängigen Marktforschungsinstitut in regelmäßigen Intervallen auswerten, wie unsere Aktivitäten aufgenommen werden. Das reicht aber nicht. Unser Selbstverständnis ist das eines Corporate Citizen, wenn Sie wollen eine selbst auferlegte Bürgerpflicht, der wir als Partner der Kultur nachkommen.

Neben der Philharmonie Merck – die ihren Ursprung 1966 im Werksorchester „Instrumentalkreis im Hause Merck“ fand – sind Sie seit 2010 Namensgeber und Hauptsponsor des Festivals „Merck-Sommerperlen“. Was verbinden Sie mit diesem Festival und war es eine bewusste Entscheidung, dem klassischen Bereich eine popkulturelle Note entgegen zu stellen?

Die Kooperation mit der Centralstation – übrigens ein historisches Kraftwerk in Darmstadts Innenstadt – ist gewachsen. Anfangs haben wir uns bewusst auf Jazz fokussiert – nicht nur wegen des Jazz-Instituts gibt es vor Ort eine Szene. In den letzten vier Jahren haben wir die Klammer in puncto Repertoire etwas weiter gesetzt, das Programm aber zeitlich gestrafft. Im Sommer ist die Dichte an Highlights bedingt durch die vielen Festivals in Europa hoch. Das nutzen wir und so hatten wir in den vergangenen drei Jahren beispielsweise Herbie Hancock, Al Jarreau und Maceo Parker zu Gast. Gleichzeitig sind Newcomer dabei, die bei uns unter dem Stichwort Nachwuchsförderung laufen. Den Pop-Bereich decken wir mit dem Schlossgrabenfest ab, einem Festival, bei dem über 100 Bands an vier Tagen vor etwa 400.000 Besuchern spielen. Hier sind wir Hauptsponsor und Namensgeber der Hauptbühne.

Zusätzlich engagiert sich die Merck-Gruppe noch in anderen kulturellen Bereichen. So sind Sie seit 2005 Unterstützer der „Darmstädter Tage der Fotografie“ und seit 2008 Stifter des mit 5.000 Euro dotierten „Merck-Preises“. Warum hat man sich gerade dem Medium der Fotografie verschrieben, wo sich doch im Zeitalter der digitalen Fotografie viele als halbprofessionelle Fotokünstler verstehen?

So ist das, jedem steht die Technik zur Verfügung, aber nicht jeder wird damit zum Fotografen und erst recht nicht zum Künstler, wobei gerade in der Fotografie die Grenzen allmählich aufgehoben werden. Werbe- und Dokumentationsfotografen werden in den Stand der Künstlerfotografen gehoben. Ein prominentes Beispiel mit Darmstadt-Bezug ist Barbara Klemm, die an der Hochschule im Fachbereich Gestaltung eine Honorarprofessur inne hat. Da wir aber als Sponsor nicht kuratieren, haben wir uns im Vorfeld von der Qualität der Veranstalter überzeugt. Die Gründer der Fototage sind Fotografen und in der Jury für den Merck-Preis sind noch Kris Scholz und Ute Noll – das ist ein ausreichendes Qualitätssiegel. Untermauert wird das durch die Zahl der Einsendungen – 490 waren es 2010, 2012 lagen wir bei 320 – durch die Qualität und Internationalität der Bewerbungen, beispielsweise aus den USA, Korea und Israel.

Das Zitat „Kultur eröffnet neue Erlebniswelten“ stammt von Ihnen. Wie kann die Merck-Gruppe auch in Zukunft ermöglichen, dass neue Erlebniswelten zum Vorschein kommen?

Habe ich das gesagt? Würde ich immer noch behaupten. Wenn es ein vielfältiges Kulturangebot gibt, dann bildet das den Nährboden für ein kritisches, reflektiertes Umfeld, Aha-Erlebnisse eingeschlossen. So verstehe ich meine Aufgabe: Früh erkennen was der Zeitgeist sagt und welche Initiativen Potenzial haben, filtern, beraten bzw. gemeinsam eine Idee entwickeln und sie dann ermöglichen – durch Sponsoring.

Auf welche qualitativen und quantitativen Aspekte legen Sie in der Zusammenarbeit mit Kulturanbietern besonderen Wert?

Bei der Auswahl haben wir Guidelines, die mit der Geschäftsleitung abgestimmt sind, aber noch Handlungsspielraum erlauben. Neben der Frage der künstlerischen Qualität, finde ich die Abgrenzung zu Bestehendem und für eine partnerschaftliche Zusammenarbeit die Professionalität wichtig. Im Hinblick auf die Quantität könnte ich für Veranstaltungen 300 Personen als Minimum benennen, aber auch hier machen wir Ausnahmen, etwa wenn es um Neue Musik geht. Die Ferienkurse sind international bekannt und besetzt, höchst anspruchsvoll, gleichwohl sprechen sie ein Nischenpublikum an – eine Ausnahme wert.

Vielen Dank für das Interview, Frau Lewin.

Unternehmenshistorie:

  • 1668 Friedrich Jacob Merck erwirbt die Engel-Apotheke
  • 1827 Emanuel Merck beginnt mit der Fabrikation in industriellem Ausmaß
  • 1900 ist Merck auf allen Kontinenten vertreten
  • 1904 Erste Fertigarzneimittelliste; Beginn der Flüssigkristallforschung
  • 1917 wird US-Tochterfirma Merck & Co. enteignet, seither ein selbstständiges Unternehmen (MSD)
  • 1945 Verlust der Auslandsniederlassungen; in Darmstadt Neubeginn aus Trümmern
  • 1971 Neuanfang in den USA – nach Asien und Lateinamerika _ 1995 Gründung der Merck KGaA und Börsengang

Merck in Deutschland:

  • Zentrale in Darmstadt
  • ca. 39.000 Mitarbeiter weltweit, davon etwa 9.100 in Darmstadt (Stand: Februar 2013)
  • Gesamterlös 2012: 11.173 Mio. Euro

Geförderte Kultursparten:

  • Musik
  • Bildende und Darstellende Kunst
  • Theater
  • Literatur
  • Film

Auswahl geförderter Kulturanbieter:

  • Centralstation / Festival Merck-Sommerperlen
  • Darmstädter Tage der Fotografie / Merck-Preis
  • Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung / Johann-Heinrich-Merck-Preis für literarische Kritik und Essay
  • halbNeun-Theater
  • Hessisches Landesmuseum
  • Institut Mathildenhöhe
  • Internationales Musikinstitut Darmstadt
  • Kunsthalle Darmstadt
  • Schlossgrabenfest

Jahrbuch:2014

  • Besucher in Ausstellung